Pressemitteilungen aus dem Nutztierbereich Schweine vom 28.12.2017.

Agrarmärkte zum Jahreswechsel 2017/18 teilweise unter Druck


Volatile Märkte machen verstärkte Absicherung über Terminmärkte und Vorverträge nötig

Nach einer Erholungsphase seit 2016 stehen die Erzeugerpreise in wichtigen Agrarmärkten zur Jahreswende 2017/18 tendenziell wieder unter Druck, vor allem bei Milch, Schweinen und auch Weizen. Entwicklungen und Prognosen wichtiger Märkte zur Jahreswende im Einzelnen:

Getreide

Weizenexporte aus der EU verlaufen bisher ungewohnt schleppend, was den hiesigen Getreidemarkt unter Druck setzt. Die starke Konkurrenz aus der Schwarzmeerregion, allen voran aus Russland, erschwert den Export aus der EU. So wurden seit Juli 2017 lediglich 9 Millionen Tonnen Weizen aus der EU-28 exportiert – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Höhe von 25 Prozent. Russland hat 2017 eine Rekordweizenernte in Höhe von 83 Millionen Tonnen eingefahren (gegenüber 2016 ein Plus von 14 Prozent, gegenüber 2015 ein Plus von 35 Prozent).

Zur Jahreswende liegt der Brotweizenpreis in Deutschland mit knapp 150 Euro pro Tonne auf Vorjahresniveau. Die Futtergetreidepreise verzeichnen dagegen aufgrund der regen Nachfrage der Mischfutterindustrie mit 148 Euro pro Tonne Futterweizen (Vergleich zu Dezember 2016: 145 Euro pro Tonne) und rund 140 Euro pro Tonne Futtergerste (Dezember 2016: 130 Euro pro Tonne) ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung der Getreidepreise in 2018 dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Exportnachfrage entwickelt und inwieweit diese aus Deutschland bedient werden kann. Für den Getreideexport aus Deutschland und anderen EU-Ländern wird entscheidend sein, wie lange Russland als aktuell weltweit wichtigster Exporteur den Markt versorgt, wie sich die Wechselkurse und damit die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Ware entwickeln und ob sowohl die Hektolitergewichte als auch die Proteingehalte die hohen Qualitätsanforderungen für Exportware erfüllen.

Schweinefleisch

Der Markt für Schlachtschweine ist nach wie vor vom typischen Preiszyklus geprägt. So hatten die deutschen wie europäischen Schweinemäster nach zwei schwierigen Jahren in 2016 und 2017 deutlich verbesserte Erzeugerpreise, die sich zum Jahresende 2017 jedoch wieder verschlechterten.

In Deutschland dürften die durchschnittlichen Preise für Schweine der Handelsklasse E im Jahr 2017 im Jahresdurchschnitt bei rund 1,63 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht liegen. Damit wäre das Niveau des Vorjahres um 14 Cent je Kilogramm oder gut 9 Prozent übertroffen. Der im September einsetzende Preisdruck führte Mitte Dezember zu einem Erzeugerpreis von 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Im Vorjahr lag das entsprechende Preisniveau noch bei 1,53 Euro.

Die Schweinehalter benötigen nach wie vor eine verbesserte Erlössituation, um die im Katastrophenjahr 2015 aufgetretenen Einbußen auszugleichen und die aufgenommenen Darlehen zur Liquiditätshilfe zügig weiter zurückzahlen zu können. Die Zeit drängt, denn für 2018 rechnen Marktexperten mit schwächeren Preisen. Zum einen geht im Inland der Schweinefleischverzehr weiterhin stetig zurück. Zum anderen ziehen am Weltmarkt dunkle Wolken auf. Der Anstieg der Schweinefleischerzeugung in China und der zunehmende Wettbewerb mit preisgünstigen Anbietern aus den USA, Kanada und neuerdings auch aus Brasilien sind Anzeichen eines schwieriger werdenden Marktes. So sind bereits die Exporte aus Deutschland und der EU nach China, die in 2016 für den starken – bis Mitte 2017 anhaltenden – Aufwärtstrend gesorgt haben, deutlich zurückgegangen.

Rindfleisch

Der Markt für Rindfleisch hat sich 2017 nach dem unterdurchschnittlichen Vorjahr preislich erholt. Dies gilt für den Jungbullen- wie Schlachtkuhmarkt. Angesichts der zurückgehenden Erzeugung bestehen durchaus Chancen für einen weiteren preislichen Aufwärtstrend in 2018. Zudem entwickelt sich der Konsum an Rindfleisch nach zwei Jahrzehnten des Rückgangs langsam aber stetig wieder positiv.

Neue Handelsverträge können den Rindfleischmarkt jedoch besonders belasten. So sollen die Verhandlungen der EU mit den Mercosur-Staaten in 2018 abgeschlossen werden. Für den Rindfleischmarkt wird derzeit eine Einfuhrtonnage von 70.000 bis 100.000 Tonnen und mehr diskutiert. Die Mercosur-Staaten liefern bereits jetzt mehr als 75 Prozent des in die EU importierten Rindfleisches, das fast ausschließlich aus hochwertigen Teilstücken besteht. Damit wird ein Anteil von 20 Prozent des EU-Marktes abgedeckt. Es ist zu befürchten, dass die EU im Gegensatz zu anderen Handelsabkommen keine höheren Mengen an hochwertig verarbeiteten Fleisch- und Wurstprodukten in die Mercosur-Staaten verkaufen kann, um einen Marktausgleich zu erhalten. Marktdruck kann auch durch die noch anstehenden Vereinbarungen im Rahmen des Brexit entstehen, der den Rindfleischsektor besonders trifft.

Milch

Für den Milchmarkt prognostizieren Marktexperten für 2018 einen Rückgang der Erzeugerpreise. Aktuell liegen die Milchpreise für die Milchbauern über dem langjährigen Mittel von 32,4 Ct/kg (bei 4,0 % Fett). Zum Jahreswechsel 2017/18 dürften die Erzeugerpreise im Bundesdurchschnitt bei 39 Ct/kg liegen. Doch einige Molkereien haben ab Anfang 2018 bereits einen Rückgang der Erzeugerpreise um 4 bis 5 Ct/kg angekündigt. Das ist saisonal nicht untypisch, dennoch ein sehr deutlicher Rückgang. Bei durchaus wachsenden Exporten in Drittstaaten steigt parallel weltweit die Milcherzeugung. Auch in Deutschland reagieren die Milchbauern auf die gestiegenen Erzeugerpreise und erzeugen derzeit ca. 4 bis 5 Prozent Milch mehr als im Vorjahr. Bis August 2017 war in Deutschland die Milchmenge im Vergleich zum Vorjahr noch rückläufig.

Landwirtschaftliche Unternehmer wie Molkereien sind aus Sicht des DBV gefordert, angesichts der Marktschwankungen neue Wege der Preisabsicherung zu gehen. Warenterminbörsen und Vorverträge sind beispielsweise in Nordamerika oder Ozeanien bereits etablierte Risikoinstrumente. Molkereien und Milcherzeuger nutzen in diesen Staaten diese Instrumente, um Preiskrisen besser zu überstehen und beim nächsten Preishoch noch im Markt zu sein. An der Warenterminbörse EEX konnten sich Milcherzeuger, Molkereien und Lebensmittelindustrie Mitte Dezember für das Gesamtjahr 2018 Milchpreise von umgerechnet 27 Ct/kg absichern, drei Monaten zuvor lag dieser Wert noch bei 34 Ct/kg.

Öko-Markt

Die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln wächst weltweit. Die Absatzperspektiven für den heimischen Öko-Ackerbau werden als gut eingeschätzt. Die Ausdehnung der Öko-Viehhaltung muss mit der Futtermittelversorgung und der heimischen Marktnachfrage in erster Linie über Kontrakte abgestimmt sein.

Seit Jahren wird in Mittel- und Westeuropa mehr pflanzliche Bio-Ware nachgefragt als angeboten. Das in den 90er-Jahren durch hohe Subventionen aufgebaute Überangebot ist nicht mehr vorhanden. Die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot haben in den letzten zehn Jahren zum großen Teil Öko-Anbauer aus Ost- und Südosteuropa bedient. Der stark wachsende nordamerikanische Öko-Markt kommt als Konkurrent im heimischen Markt hinzu. Indien und China werden sich als heutige Exportländer durch deutliche Zunahme der Nachfrage aus der eigenen Bevölkerung zu Importländern von Öko-Lebensmitteln entwickeln. In den vergangenen beiden Jahren hat sich auch in Deutschland der Trend zur Umstellung auf ökologischen Landbau verstärkt. Ende 2016 wurden 1,25 Millionen Hektar (7,5 Prozent) der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet.

(Quelle: Deutscher Bauernverband)


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